Thursday, October 1, 2020
Startseite > Technik & Gadgets > Stiftung Warentest nimmt WhatsApp-Alternativen unter die Lupe

Stiftung Warentest nimmt WhatsApp-Alternativen unter die Lupe

Seit dem Kauf von WhatsApp durch Facebook (wir berichteten darüber) überschlagen sich die Meldungen über die datenschutzrechtlichen Unzulänglichkeiten von WhatsApp. Grund genug für die Stiftung Warentest, alternative Kurzmitteilungs-Apps einmal genauer zu untersuchen. Zusammengefasst: Nur eine App ist datenschutzrechtlich unkritisch.

whatsapp

Getestet wurden die Apps Threema, Telegram, Black­berry Messenger und Line auf Datenschutz. Es wurden sowohl die Android- als auch die iOS-Versionen der Apps darauf überprüft, ob sie Nutzerdaten verschlüsseln und welche Informationen wohin übertragen werden. Der Test begrenzt sich genau darauf und berücksichtigt andere Eigenschaften wie Benutzbarkeit oder Funktionsumfang nicht.

WhatsApp. Bewertung: Sehr kritisch

WhatsApp nutzt zur Datenübertragungen keine End-to-End-Verschlüsselung ein. Das bedeutet, dass der Anbieter die Unterhaltungen zwischen miteinander Chattenden mitlesen kann. Darüber hinaus überträgt WhatsApp Adressbucheinträge ohne Zustimmung des Nutzers oder der Adressinhaber.

Stiftung Warentest kritisiert zudem die AGB von WhatsApp. So steht beispielsweise darin, dass WhatsApp jederzeit das Recht hat, die AGB sofort zu ändern oder Informationen über den Nutzer an Behörden zur Strafverfolgung weiterzuleiten – ohne den Nutzer darüber zu informieren.

Threema. Bewertung: Unkritisch

Medial schon breit diskutiert, wurde die WhatsApp-Alternativ Threema natürlich auch getestet. Die Ergebnisse: End-to-End-Verschlüsselung ist Standard, Adressbuchspeicherung sind nur in pseudonymisierter Form und nur nach ausdrücklicher Zustimmung des Nutzers möglich. Einzige Wermutstropfen: Die App ist nicht quelloffen und kostet zudem einen kleinen Einmalbetrag für die Android- (Preis: 1,60 Euro) und iOS-Varianten (1,79 Euro).

Line. Bewertung: Sehr kritisch

Line macht’s nicht unbedingt besser: So verschlüsselt die App ebenfalls nicht End-to-End, gibt Gerätenummer unverschlüsselt an Dritte weiter und informiert nicht transparent über Änderungen der AGB. Immerhin ist Line quelloffen, weshalb im Test ausgeschlossen werden konnte, dass noch weitere Daten versendet werden. Auch spricht für Line, dass es kostenlos ist. Gemessen am Datenschutz ist aber auch diese App sehr kritisch zu bewerten, so Stiftung Warentest.

Telegram. Bewertung: Kritisch

Telegram bietet End-to-End-Verschlüsselung an, allerdings nur nach Aktivierung durch den Nutzer. Auch dieser Messenger speichert alle Adressbucheinträge ohne Zustimmung des Nutzers bzw. der betroffenen Personen. Es werden ansonsten jedoch keine Daten übertragen. In den AGB erlaubt sich Telegram, Adressbucheinträge der Nutzer zu speichern. Will man hier Rückfragen stellen dürfte das schwierig werden: Telegram gibt weder ein Impressum noch Kontaktdaten an.

BlackBerry Messenger: Sehr kritisch

End-to-End-Verschlüsselung konnte beim BlackBerry Messenger nicht eindeutig überprüft werden. die iOS-Version überträgt Nutzerdaten teilweise unverschlüsselt. Namen werden von der App zudem Dritten mitgeteilt. Die Android-Version wiederum sendet Nutzer­daten zwar komplett verschlüsselt, aber dafür deutlich mehr: So werden Nutzer­name und Pass­wort, Vor- und Nach­name, Geburts­datum, Heimatland, Email-Adresse sowie die Sicher­heits­frage und sogar deren Antwort gesendet. Der BlackBerry Messenger ist ebenfalls nicht quelloffen. Die App ist für alle Plattformen kostenfrei.

Fazit

Threema ist auf dem besten Weg, eine ernsthafte Alternative für WhatsApp zu werden. Datenschutzrechtlich ist der Messenger in Ordnung, auch wenn er nicht quelloffen ist. Alle anderen getesteten Apps sind keine ernsthaften Alternativen, wenn man es mit dem Datenschutz genau nimmt.

 

Bildquelle: WhatsApp