Tuesday, June 25, 2019
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Das EU Parlament arbeitet an einheitlichem Standard für Handy-Ladegeräte

Ein einheitlicher Standard für alle Handy-Ladegeräte würde das Leben vieler Menschen leichter machen und zusätzlich die Umwelt schonen. Das EU Parlament arbeitet derzeit an einer Lösung dafür.

Das EU Parlament arbeitet an einheitlichem Standard für Handy-Ladegeräte
Kabelsalat adé? Das EU Parlament arbeitet an einer Richtlinie zur Vereinheitlichung von Ladekabeln

Jeder kennt es, wenn man verschiedene Geräte aufladen möchte und für jedes ein anderes Ladegerät benötigt. Seit Jahren wird um einen Standard verhandelt und jetzt soll er endlich eingeführt werden. Das EU-Parlament hat angekündigt, die Vorgabe der Ladegeräte für Mobiltelefone in Europa zu vereinheitlichen. Für den Kunden soll dieses Gesetz Kosten und Ärger ersparen. Der Umwelt erspart es zudem tausende Tonnen Elektromüll.

Die Bemühungen des EU-Parlaments

Ziel des EU-Parlaments in Straßburg ist: Ab 2019 sollen sich Handys, Smartphones und Tablets mit einheitlichen Ladegeräten aufladen lassen. Eine solche Gesetzesvorlage hat das EU-Parlament im März 2014 mit großer Mehrheit beschlossen. Die Aufgabe für Hersteller wie Apple, Samsung, Google, Sony oder Motorola ist nun, in maximal drei Jahren ein einheitliches Stecker-System für Handys, Tablets und Smartphones auf den Markt zu bringen.

Die EU-Kommission schätzt, dass schon 90 Prozent aller seit 2013 hergestellten Telefone Netzteile besitzen, die auch Akkus anderer Geräte aufladen. Nach einer Grundsatzeinigung im Jahr 2009 hatten sich einige Hersteller freiwillig zu diesem Schritt verpflichtet. Die Unternehmen wollten mit dieser Initiative einer gesetzlichen Regelung zuvorkommen.

Noch keine Details zum Steckerformat

Wie solch ein neuer Universal-Stecker aussehen wird, ist noch nicht bekannt. Es gibt diesbezüglich viele Ideen aber auch viele bürokratische Hindernisse. Die EU-Kommission wird in den nächsten Monaten über ein technisch optimales Format beraten und dabei Händler und Hersteller mit einbeziehen.

Der Rat, in dem 28 EU-Staaten vertreten sind, hat so einer Richtlinie bereits zugestimmt. Diese kann somit in Kürze in Kraft treten. Die jeweiligen Mitgliedstaaten müssen diese Richtlinie daraufhin in spätestens drei Jahren in nationales Recht umsetzen. Das gibt den Herstellern erstmal ausreichend Zeit, um sich auf die neuen Vorschriften einzustellen.

Doch bis zu dieser aktuellen Entscheidung war es ein sehr langer Weg. Ein ähnliches Beispiel zeigt, wie schwer solch eine Einigung letztendlich ist.  Die für 2010 geplante Einführung des Micro-USB-Standards, auf den sich die meisten Firmen schon geeinigt hatten, wurde im Endeffekt nichts. Auch wenn ein paar Firmen den kleinen USB-Stecker schon als Standard verwenden, gibt es nach wie vor Ausnahmen. Apple ist hier ein gutes Beispiel. Sie setzen aus Prinzip auf ein ganz eigenes System.

Tonnen von vermeidbarem Elektromüll

Für viele Verbraucher wird die Einführung dieses geplanten Standards eine erhebliche Erleichterung im Alltag bedeuten. Beim Kauf eines neuen Smartphones benötigt man dann nicht zwingend ein auch gleich ein neues Ladegerät. Das spart Geld und Kabel-Wirrwarr zuhause. Der Umwelt erspart das langfristig tausende Tonnen an Elektromüll.

Kurzfristige Verabschiedung der Richtlinie möglich

Der Gesetzentwurf muss zwar erst einmal noch formal vom verabschiedet werden. Das ist aber gerüchteweise nur noch Formsache. Die damit gefundene Lösung gilt erstmal nicht für andere Kommunikationsgeräte, wie zum Beispiel Notebooks. Die EU erhofft sich jedoch eine Signalwirkung aus diesem Standard. Brüssel hat die Unternehmen zur Harmonisierung aufgerufen, dafür aber auf neue gesetzliche Regelungen verzichtet.

„Ich appelliere an die Industrie, die Markteinführung zu beschleunigen, damit die Bürger überall in der EU so bald wie möglich von den Vorteilen eines gemeinsamen Ladegerätes profitieren können“, sagte Industriekommissar Antonio Tajani. Die Standardisierung der Ladegeräte sei ein Beweis dafür, dass EU-Normen das Leben der Verbraucher stark verbessern können.

Den Grundstein dafür hat Tajanis Vorgänger gelegt, der ehemalige EU-Kommissar Günter Verheugen. Grundsätzlich ist es nicht auszuschließen, dass die ersten Geräte mit einem standardisierten Ladegerät auch schon in diesem Jahr verfügbar sind.